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Sonntag, 8. April 2012

Reise nach Italien (mit Elchi)

Raum St. Gallen (Sonntag, 8.4.2012)
Wetter: Schnee bis sonnig / Temp.: -1 bis 2 Grad

In der ersten Wochenhälfte unseres Aufenthalts in der Ostschweiz geniessen wir das schöne und trockene Frühlingswetter. Dementsprechend kommen wir mit unseren Reisevorbereitungen und dem Abarbeiten der Pendenzen gut voran. Erst gegen Ende der Woche verschlechtert sich das Wetter allmählich und es wird ohne Sonnenschein auch richtig kalt. Am Osterwochenende erwischt uns dann doch noch der Schnee. In der Ostschweiz sinkt die Schneefallgrenze in der Nacht von Samstag auf Sonntag bis auf 500 bis 600 m.ü.M. hinunter und beschert uns 10 bis 15 cm Neuschnee. Für uns Neuankömmlinge aus dem sommerlichen Australien ist es bitter kalt (-1 Grad) :-(



Die Ostereiersuche gestaltet sich einigermassen mühsam ;-) Zum Glück ist unser "Elchi" praktisch startbereit und wir können den letzten Tag vor unserer Abreise in Ruhe angehen lassen.



Am Nachmittag wird es richtiggehend sonnig, so dass einem gemütlichen Osterspaziergang nichts im Wege steht. Nur etwa 20 Gehminuten entfernt liegt das weithin sichtbare Schloss Dottenwil, welches auf einem markanten Hügel umgeben von gepflegten Rebbergen thront.



Der 1543 erbaute Landsitz reicher St. Galler Stadtbürger wurde nach wechselvollen Jahren 1806 zu einem Kurhaus umgebaut und war später Bauernhof und Altersheim. Das ganze Anwesen gehört mittlerweile der Gemeinde Wittenbach. Seit 1998 wird der Kultur- und Begegnungsort von Freiwilligen geführt. Das Schloss mit herrlicher Aussichtslage enthält nebst einem kleinen Ortsmuseum auch ein kleines Restaurant mit toller Rundumsicht auf das Alpsteingebirge und den nahen Bodensee (der Alpstein ist im Moment in Wolken gehüllt).

Das Museum, auf mehrere Stockwerke verteilt, ist alleine schon wegen der gut sichtbaren alten Dachkonstruktionen einen Besuch wert ;-)

Aber auch Liebhaber alter Möbel, Einrichtungen und Utensilien kommen hier auf ihre Kosten.






St. Gallen (CH) – Loreto (I) (Montag, 9.4.2012)
Wetter: bewölkt bis sehr schön / Temp.: -2 bis 12 Grad

Es ist höchste Zeit, dass wir wieder an die Wärme kommen. Die ca. 1'150 Kilometer lange Strecke bis zum "Gargano", unserem favorisierten Ziel, teilen wir in zwei Etappen auf. Unser erstes Etappenziel, die Stadt "Loreto", liegt etwa 830 Kilometer von St. Gallen entfernt. Die "Basilica di Loreto" wollten wir schon lange mal besuchen, aber immer war etwas dazwischen gekommen. Entweder hatten wir zu wenig Zeit oder dann war das Wetter zu schlecht. Im vergangenen Juni, auf unserer Rückfahrt in die Schweiz, hatte es exakt auf Höhe "Loreto" in Strömen geregnet. Diesmal sollte es jedoch mit dem Wetter und der Zeit klappen :-)

Für eine Alpenüberquerung ist der San Bernadino-Tunnel für Reisende aus dem Raume St. Gallen eigentlich die direkteste Verbindung. Da der Tunnel mit 1'620 m.ü.M. aber schon relativ hoch liegt, wählen wir wegen der verbreiteten Schneefälle, die in den Alpen bis 30 cm Schnee gebracht haben, ausnahmsweise die Route durch den Gotthardtunnel. Es ist das erste Mal, dass wir durch die 16,9 Kilometer lange Röhre fahren. Weil im nur zweispurigen Tunnel normalerweise dichter Gegenverkehr herrscht, waren wir schon immer skeptisch diese Verbindung in den Süden zu wählen und zwar nicht ganz unbegründet. Zwischen 1980 und Ende 2004 ereigneten sich immerhin 875 Unfälle mit insgesamt 30 Toten, die erschreckende Bilanz einer zu zaghaften und kurzsichtigen Planung.

Der Wetterbericht für die Alpensüdseite schaut für den Montag jedenfalls gut aus und so starten wir am frühen Morgen bei frostigen 2.0 Grad unter Null mit unserem Reisemobil "Elchi" in Richtung Süden. Um sieben Uhr sind wir bereits auf der Autobahn A1 in Richtung Wil unterwegs. Durch das untere Toggenburg geht es zügig über den Rickenpass weiter. Zum Glück ist der ganze Schnee auf der Strasse gestern von der nachmittäglichen Frühlingssonne weggeputzt worden.

Über den Sattel steuern wir mitten in die Urschweiz und erreichen ohne Verkehrsprobleme den Vierwaldstättersee.

Wir sind diese interessante Strecke schon lange nicht mehr gefahren und erfreuen uns am fantastischen Anblick der Zentralalpen.

Nach der langgezogenen Gotthardrampe fahren wir in den 16,9 Kilometer langen Tunnel ein.

Der Verkehr ist auf unserer Seite nur schwach. Umso mehr sind Osterurlauber aus Süden in Richtung Norden unterwegs.



Nach Bellinzona erklimmen wir die relativ steile Autobahnrampe zum "Monte Ceneri". Unser vollbepackter "Elchi" hat sichtlich Mühe mit dem Verkehr mitzuhalten, und so kriechen wir mit 70 km/h die Passstrecke hoch. Dafür können wir die Aussicht auf die weite "Magadino"-Ebene und den "Lago Maggiore" ausgiebig geniessen :-)

Der Rest der Etappe bis zu unserem Tagesziel ist reine Routine. Wir sind immerhin schon das 17. Mal zum Gargano unterwegs und kennen die Strecke zur Genüge. Am späten Nachmittag haben wir die ca. 830 Kilometer ohne Staus oder andere Verkehrsprobleme geschafft und fahren auf den Stellplatz von "Loreto" ein. Trotz Osterwochenende hat es noch genügend freie Plätze und der Platzwart ist auch gleich zur Stelle und kassiert die EUR 12.00 Stellplatzgebühr für eine Nacht.

Ein paar Minuten später sind wir schon unterwegs zur dominanten "Basilica di Loreto", die man von der Autobahn aus schon von weitem sieht. Es ist leider alles andere, als frühlingshaft. Die Kaltluft hat es über die Alpen bis nach Mittelitalien geschafft, so dass die Temperaturen trotz Sonnenschein nicht über 12 Grad steigen. Dazu weht ein widerlicher Wind aus Norden. Ausgerüstet mit Fleece und Windjacke ziehen wir los.

Eben als wir den riesigen Hauptplatz (Platz der Madonna) vor der Basilika betreten, scheint eine Messe zu Ende zu sein. Der ganze Platz ist im Nu mit Menschen gefüllt.



Nach dem Petersdom in Rom ist "Loreto" der zweitwichtigste Wallfahrtsort in Italien und einer der wichtigsten der katholischen Welt. Mit dem Bau der Basilika wurde 1468 begonnen. Das Ende der Bauzeit kann nicht eindeutig bestimmt werden, da über Jahrhunderte hinweg immer wieder neue Teile dem riesigen Kirchenkomplex beigefügt wurden. Der Glockenturm auf der linken Seite wurde beispielsweise erst von 1750 bis 1754 angebaut.

Wir nutzen die Abendsonne spazieren durch die engen Gässchen rund um die eindrückliche Basilika. Wir hätten nicht gedacht, dass um diese Zeit am Ende des Osterwochenendes noch so viel Betriebsamkeit herrscht.

Die Rundumsicht von den verschiedenen Aussichtsplattformen auf die grüne Landschaft der hügeligen Provinz "Marche" und das nahe Meer ist fantastisch, besonders im dezenten Abendlicht der Sonne.





Als wir am Schluss unseres Rundgangs noch das Innere der Basilika ansehen wollen, stellen wir fest, dass bereits eine weitere Messe stattfindet. Wir werden die Besichtigung wohl auf morgen früh verschieben müssen. Das komprimierte Osterprogramm scheint dann jedenfalls zu Ende zu sein.

LoretoGargano (I) (Dienstag, 10.4.2012)
Wetter: sehr schön / Temp.: 7 bis 14 Grad

Durch den sternenklaren Himmel kühlt es selbst hier im Süden direkt am Meer über die Nacht empfindlich ab. Wir messen am frühen Morgen lediglich 7 Grad Celsius. Die aufgehende Morgensonne bringt die Basilika trotzdem zum Glühen ;-)

Die Lage dieses Stellplatzes ist einzigartig.



Das Zentrum von "Loreto" liegt nur fünf Gehminuten davon entfernt und die Aussicht aufs Meer und die tiefer liegende Landschaft ist herrlich.



Nach dem Frühstück wollen wir uns vor der Weiterfahrt noch das Innere der Basilika ansehen. In der morgendlichen Sonne wirkt der imposante Gebäudekomplex besonders eindrucksvoll.





Wenn man vom Haupteingang in die spätgotische Kirche eintritt, wirkt der Innenraum noch relativ unscheinbar.

Erst wenn man zum Hauptschiff vorgeht, nimmt einen das heilige Innenhaus mit den Relief verzierten Marmorverkleidungen und die prachtvolle, reich verzierte Kuppel des Hauptschiffes gefangen.







Auch die wunderschöne Apsis kann sich sehen lassen. Auf dem Foto kommt sie wegen des störenden Gegenlichtes leider nicht so richtig zur Geltung.

Die Orgel scheint eher neueren Datums zu sein und wird weder in der Broschüre der Basilika, noch im Internet irgendwo erwähnt.

Innerhalb der Basilika gibt es sechs Kapellen, die ebenfalls sehenswert sind.





Der Blick vom Haupteingang auf den "Platz der Madonna" mit den flankierenden Arkaden des seitlich angebauten "Apostolischen Palastes" ist grossartig. Hier können sich problemlos ein paar Tausend Gläubige versammeln.

Zwischendurch mal ein HDR-Foto gefällig?

Bevor wir losfahren werfen wir noch einen letzten Blick auf das herrliche Landschaftsbild rund um "Loreto".



Entlang der umgebenden Festungsmauern spazieren wir zurück zum Stellplatz. "Elchi" wartet schon ganz ungeduldig auf die Weiterfahrt ;-)

Für unsere 360 Kilometer lange Fahrt zum Gargano haben wir uns wieder schönstes Wetter ausgesucht, wie der dunkelblaue Himmel auf den Fotos anschaulich dokumentiert :-) Auf der Autostrada A14 fahren wir zügig unserem Ziel entgegen. Auf den nahen Bergketten des Apennin liegt noch aussergewöhnlich viel Schnee. Wie wir später erfahren, hat es über Nacht sogar im "Foreste Umbra" auf dem Gargano noch geschneit.





Trotz einiger Baustellen, die heute aber verwaist sind, kommen wir gut voran und fahren gegen Mittag bereits in den Gargano ein. Es wächst dieses Jahr auffallend viel Kerbel am Strassenrand.





Aber auch ein paar Mohnblumen haben wir an windgeschützter Stelle schon gesichtet. Das markante Dorf "Carpino" leuchtet uns in der Mittagssonne entgegen. Wir haben dieses malerische, von Olivenanbau geprägte Dorf noch nie von Nahem angeschaut. Vielleicht klappt's diesmal.

Wir fahren diesmal durch das enge "Rodi Garganico" und hoffen, dass die Baustelle vom letzten Jahr verschwunden ist. Die Durchfahrt durchs Dorf gestaltet sich, wie immer, etwas chaotisch. Die Italiener parken ihre Autos, wie es grad so passt. Verkehrsgesetze sind in diesem Land ohnehin nur für die andern da. Die Fahrt entlang der langgezogenen Küstenstrasse ist wundervoll. Endlich wieder am Meer. Die Sandstrände sind zurzeit noch menschenleer.



Um halb drei Uhr fahren wir bereits durchs Tor des Campingplatzes "Centro Vacanze Oriente", unserem vorläufigen Endziel. Obwohl wir diesmal früher sind als sonst, ist der Platz schon überraschend gut belegt. Die Bayern sind trotz frühem Ostertermin für zwei Wochen in den Süden gereist und auch etliche Italiener campieren noch auf dem Gelände. Immerhin ist unsere favorisierte Parzelle noch frei und spätestens ab dem kommenden Wochenende, wenn die Bayern weg sind, wird hier wieder Ruhe einkehren ;-)

Apropos Ruhe, der Sanitärtrakt ist eine einzige Baustelle. Offenbar wird dieser total umgebaut und massiv erweitert. Warum in aller Welt so viel Waschbecken und WC gebaut werden, ist uns ein Rätsel, denn die bisherige Anzahl hat vollauf genügt. Wie es scheint, haben sie dafür die Entsorgungsstation (Chem. WC) abgerissen und es ist kein Ersatz vorgesehen (italienische Planung).

Nach so viel Kritik, wieder etwas Positives: Die beiden Damen an der Rezeption sind ausgesprochen nett. Sie haben uns persönlich begrüsst, sich über unser Wohlergehen erkundigt und uns auch die freie Wahl der Parzelle überlassen :-)

Udo und Edeltraud sind bereits vorgestern im Gargano eingetroffen. Sie haben den gestrigen, massiven Temperatursturz von 25 auf 11 Grad hautnah miterlebt. Gestern soll zudem ein Sturmwind mit gegen 8 Bf. getobt haben. Wir sind froh, dass wir erst heute hier angekommen sind. Trotz purem Sonnenschein wird es heute nur 14 Grad warm. Die Kaltluftmassen müssen zuerst wieder aufgewärmt werden.

Wir haben unser Campingzeugs schnell ausgepackt und können mit unserem Roller sogar noch zum Einkauf nach "Vieste" fahren. Die Pizza am ersten Abend beim Restaurant "Umbramare" ist uns gewiss :-)

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